Mir fiel vor ein paar Tagen ein älterer Artikel von mir in die Hände, indem ich über Sisterhood und Frauenbewegung geschrieben habe und als ich ihn noch einmal las, konnte ich deutlich die noch vorhandene Verwirrung meinerseits wahrnehmen.

Das was ich im laufe der letzten beiden Jahre erlebt habe, ist ein Prozess, der viel mit den aktuellen Themen der Frauenbewegung zu tun hat. Und doch viel tiefer greift, als wir oberflächlich erkennen können. Doch jetzt möchte ich erstmal auf Sisterhood eingehen. Die Verwirrung erlebte ich in mir, auf eine unterschiedliche Art und Weise und auf verschiedenen Ebenen. Einerseits ergriffen mich die Themen “ Sisterhood“ und „Women Empowerment“, anderseits stieß es mich ab. Lauter suchende Frauen und wiederum andere, die diese führen.

Ich versuche es noch einmal anders in Worte zu fassen. Ich erlebte viele Frauen, die selber so in Wut und Verletzung steckten und die daraus gewonnen Kraft der Gegenreaktion nutzen, um zu bewegen und auf die Probleme in unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen. Dies ist ein wichtiger Teil der Transformation. Doch ist eben nur ein Teil davon. Und wiederum erlebte ich Männer, die mir auf eine verbundene Art und Weise die Kraft der Weiblichkeit spiegelten. Juhu, die Verwirrung in mir war vollkommen.

Ich versuchte ein paar Anläufe in Frauengruppen und fing langsam an zu verstehen, dass ich das, was ich suche, hier nicht finden würde. Ich lebte schon Jahrzehnte in Rebellion aus der Vergangenheit und habe gebrüllt und Zeichen gesetzt. Das wonach ich mich sehnte, war der Frieden und die daraus geborene Frau. Und schnell wurde mir klar, dass dieser Prozess für mich im Alleinsein geschehen wird. Zuerst werte ich mich noch dagegen und versuchte, Frauen in meiner Umgebung mitzunehmen. Im Geiste von Sisterhood. Doch das war mir nicht möglich. Ich war 10 Jahre lang im Gruppenprozessen und den damit verbundenen Entleerungen und musste dies erstmal verstehen.

In der darauf folgenden Phase durchlebte ich die Prozesse meines Lebens, die verbundenen waren mit Anhaftung in Bezug auf die Rolle der Frau und die Verletzungen durch die Männerwelt. Dies war mir natürlich nicht neu, doch wie es geschah, versetzte mich in Staunen. Diesmal zog der Energiefluß wie ein Strudel in die Tiefe des Schmerzes und entpuppte eine kollektive und universelle Haltung, die das individuelle Leben beeinflusste. Es war wie ein Durchlaufen der schon aufgearbeiteten Themen. Doch diesmal hatte es eine gewisse Schönheit. Ich erkannte mein Wirken, das mich in all den Schmerz geführt hat.

Dieser Prozess war echt erschütternd und hat einiges zerstört. Er mundete in einer Wunde der Dualität. In der Erkenntnis dessen, das all diese Bedrängung und Verletzung aus der Existenz fließt und eine Brücke zur Erkenntnis und Transformation sei kann. Und so stillte sich die Sehnsucht nach Frieden in dem daraus resultierenden Space.

Es wurde mir klar, warum ich so unzufrieden mit all den Frauengruppen war. Ich sah in jeder Frau diese Urkraft, die in Stärke, Würde und Mitgefühl ins Leben fließt. Die Sehnsucht danach war so groß, dass ich es nicht aushalten konnte, die Frauengruppen in so einer Bedürftigkeit oder eben einem konstanten Drang nach Veränderung zu erleben. Ich habe nach etwas gesucht, das es nicht gab. Selbstverständlich war es mein inneres Sein, dass gespiegelt wurde. Und das war mir klar! Doch fiel es mir schwer zu verstehen, warum ich so einen Widerstand gegen diese Art der Frauenbewegung hatte. Wenn ich doch so eine Liebe zu allen Frauen spürte.

Mittlerweile ist es mir ganz klar. Ich habe versucht mich auf Sisterhood einzulassen. Doch das war unmöglich. Sisterhood ist ein Zustand der Verbundenheit in Bewusstsein und Liebe. Dies ist nichts, was wir erlernen können. Denn dann ist es kein Seinszustand, sondern ein Funktionieren. Dann hat es eine gewisse Anstrengung und wird von dem mit sich getragenen Schmerz beeinflusst. Ich habe zurzeit kaum Kontakt zu anderen Frauen und bin viel alleine. Doch bin ich Euch allen näher denn je. Und egal was nun kommen mag, es basiert auf dem Frieden in mir. Das ist für mich der Space der Sisterhood.

Es gehört eine gehörige Portion Mut dazu, sich der inneren Verwirrung zu stellen. Doch dies ist keine Überwindung, wenn es dran ist. Die Konfrontation mit dem Schmerz der Vergangenheit ist nur ein fruchtbarer Zustand, wenn wir Bewusstsein integrieren. Sonst nimmt es eine Abwärtsspirale und wird eine Last und Gift für unser Leben. Wenn wir also nicht bereit sind, die Reise nach innen zu lenken, werden wir weiter Gift versprühen und im Schmerz der Vergangenheit tanzen. Das wird die Welt nicht verändern. Denn egal was wir tun: Es kommt auf das wie an.

In Liebe zu allen Frauen auf dieser Welt.